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Die oberen Blüten sind dick, die unteren bleiben Popcorn? Das liegt selten an der Genetik und fast immer am Licht. Unter dem Blätterdach kommt nur noch ein Bruchteil dessen an, was oben strahlt. Ein zusätzliches Licht von unten oder aus der Mitte der Pflanze ändert genau das. In unserer eigenen Produktion funktioniert das richtig gut, und dieser Beitrag erklärt, was passiert, wie du es aufbaust und wo die Grenzen liegen.
Warum untere Blüten klein bleiben
Licht nimmt im Blätterdach nicht linear ab, sondern steil. Was die oberste Blattschicht nicht schluckt, fängt die zweite, und in 40 cm Tiefe bleiben oft weniger als 10 % der Lichtmenge übrig. Die unteren Blüten sind also nicht faul, sie hungern. Sie bekommen Zucker nur noch aus den oberen Blättern geliehen und bleiben locker, hell und harzarm.
Zwei Wege führen raus: Entweder du entfernst das, was unten ohnehin nichts wird (Lollipopping), oder du gibst diesen Blüten eigenes Licht. Am besten beides.
Was passiert, wenn du von unten beleuchtest
Das ist unsere Beobachtung aus mehreren Durchgängen, und sie deckt sich mit dem, was die Forschung an Cannabis und an Gewächshauskulturen gemessen hat:
- Die unteren Blüten werden fest und farbig. Statt loser Popcorn-Blüten bekommst du kompakte, ausgereifte Blüten mit sichtbar mehr Harz.
- Die Stiele werden unten rot und fester. Ein Zeichen, dass die Pflanze dort Licht verarbeitet und Stützgewebe aufbaut.
- Die Blätter krallen sich nach unten. Das sieht erst mal falsch aus, ist aber Absicht der Pflanze: Die Sonnensegel und die Zuckerblätter an der Blüte drehen sich dem Licht von unten zu, um es aufzunehmen.
- Die Ernte wird gleichmäßiger. Weniger Sortieren zwischen A- und B-Qualität, weil auch die unteren Etagen Endprodukt liefern.
So baust du es auf
Unten freiräumen
Ohne Lollipopping bringt das Licht von unten nichts. Entferne die untersten Triebe und Blätter, so dass unter dem Blätterdach eine freie Zone entsteht, in der sich das Licht ausbreiten kann. Ein gewisser Abstand zwischen Lampe und Pflanze muss gewährleistet sein. Sonst liegen Blätter auf der Lampe, verbrennen und halten das Licht auf.
Lampe wählen
LED-Bars oder -Strips mit Vollspektrum, gern mit Rotanteil für die Blüte, sind das Mittel der Wahl. Sie bleiben kühl genug für die Nähe zur Pflanze und lassen sich waagerecht auf Topfhöhe oder senkrecht zwischen die Pflanzen setzen. Als Größenordnung: ein Viertel bis ein Drittel der Leistung deiner Hauptlampe. Mehr brauchst du nicht, die unteren Blätter sind Schwachlicht gewohnt.
Position und Abstand
Die Lampe gehört in die freigeräumte Zone, mit Blick nach oben oder seitlich in die Pflanze. 20 bis 30 cm Abstand zu den nächsten Blättern sind ein guter Start. Beobachte in den ersten Tagen die Blattspitzen: Rollen sie sich nach oben oder bleichen aus, ist es zu nah oder zu viel.
Wärme mitdenken
Jede zusätzliche Lampe ist auch eine Heizung, und diese sitzt genau im Zelt. Im Sommer überlege dir, ob du dir die zusätzliche Wärme wirklich holen willst oder ob die Abluft das noch schafft. Im Winter ist es fast noch ein Bonus: Das Licht wärmt die Wurzelzone und den unteren Bereich, in dem es sonst am kühlsten ist.
Düngung anpassen
Mehr aktive Blüten heißt mehr Bedarf. Bleib beim Düngeschema, aber kontrolliere EC und Trinkmenge: Pflanzen mit Undercanopy-Licht trinken oft spürbar mehr. Wenn die unteren Blätter trotz Licht gelb werden, ist es meistens Stickstoffmangel im späten Blütedrittel, nicht das Licht. Der Mängel-Guide hilft beim Sortieren.
Die Zahlen dahinter
- <10 %Licht in 40 cm Tiefe ohne Zusatzlampe
- ¼ bis ⅓der Hauptlampe reicht unten
- 20 bis 30 cmAbstand zum nächsten Blatt
- +2 bis 4 °CWärme im Zelt einplanen
Was du nicht erwarten solltest
- Keine Verdopplung der Ernte. Der Zuwachs kommt fast komplett aus den unteren Etagen. Studien an Cannabis mit Zusatzlicht unter dem Blätterdach fanden mehr Ertrag und mehr Wirkstoffgehalt in den unteren Blüten, die oberen blieben, wie sie waren.
- Kein Ersatz für eine schwache Hauptlampe. Wenn oben zu wenig ankommt, bringt unten mehr Licht nichts. Erst die Hauptlampe richtig dimensionieren.
- Kein Selbstläufer bei Hitze. Über 28 °C im Blätterdach kostet dich das Zusatzlicht mehr Qualität, als es bringt. Dann lieber aus oder nur nachts als Ergänzung in den ersten Wochen der Blüte.
Setup-Check
Unsicher, ob sich Undercanopy bei deinem Zelt lohnt?
Schreib uns Zeltmaß, Hauptlampe und Pflanzenhöhe in den Chat, wir sagen dir ehrlich, ob es sich rechnet.
Wie es weitergeht
- Cannabis-Anbau für Einsteiger (Licht, Phasen, Grundausstattung)
- Das BudXXL-Düngeschema erklärt (Blütedüngung, die mit dem Mehrbedarf mitgeht)
- Ernte und Trocknen (gleichmäßig reife Blüten richtig einfahren)
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Quellen
- Hawley, D., Graham, T., Stasiak, M., Dixon, M. (2018): Improving Cannabis Bud Quality and Yield with Subcanopy Lighting. HortScience 53(11), 1593 bis 1599. doi.org/10.21273/HORTSCI13173-18
- Gómez, C., Mitchell, C. A. (2016): Physiological and Productivity Responses of High-Wire Tomato as Affected by Supplemental Light Source and Distribution within the Canopy. Journal of the American Society for Horticultural Science 141(2), 196 bis 208. doi.org/10.21273/JASHS.141.2.196
- Eigene Beobachtungen aus der BUDXXL-Produktion, mehrere Durchgänge 2025 und 2026.
Rechtlicher Hinweis: Der private Anbau von Cannabis ist in Deutschland seit dem Konsumcannabisgesetz (CanG, 2024) für Erwachsene im gesetzlich geregelten Rahmen erlaubt (Eigenbedarf, begrenzte Pflanzenzahl, kein Zugang für Minderjährige). Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine Rechtsberatung.
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